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Reale Utopien

Foto der Teilnehmer
100 Gäste nahmen teil

„Tag der gesellschaftlichen Innovationen“ an der Hochschule München nimmt alternative Ansätze zur Geldverteilung unter die Lupe.

Am Tag der gesellschaftlichen Innovationen, zu dem das Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) zusammen mit der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München eingeladen hat, drängten über 100 Studierende und Nicht-Studierende in die Steelcase Creative Hall, um zwei lebhafte und leidenschaftliche Referenten persönlich zu erleben, die äußerst aktuelle gesellschaftliche Innovationen mitgebracht hatten.

Franz Galler stellte als 1. Vorsitzender der Agenda21-Genossenschaft RegioSTAR eG ein innovatives kleinräumiges Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell vor, das im Berchtesgadener Land erfolgreich praktiziert wird. Dieses Modell basiert auf drei sehr bekannten Regiogeld-Projekten: dem „Wunder von Wörgl“, dem Schweizer WIR-Kooperationsring und dem japanische Pflegestunden-System „Fureai Kippu“. Der gelernte Banker und heute selbständige Finanzberater stellt Regiogeld als Werkzeug in einem begrenzten Nutzerraum dem „schnellen“ Geld der globalen Kapitalwirtschaft komplementär, also ergänzend, zur Seite. Von den ca. 35 im deutschsprachigen Raum umlaufenden Regionalwährungen sind sein „Sterntaler“, sowie der benachbarte „Chiemgauer“ aus dem Südosten Deutschlands, die Erfolgreichsten. Ganz nach dem Vorbild des Bankengründers Raiffeisen stellt sich Galler, der ab kommendem Jahr sein Praxismodell im Rahmen eines fakultätsübergreifenden Lehrforschungsprojektes vermitteln soll, in eine positive deutsche Tradition, die das Potential hat, der aktuellen Banken- und Systemkrise zu begegnen.

Mit Daniel Häni kam nach dem bayerischen Banker ein Schweizer „Social Entrepreneur“ zu Wort, der Idee und Funktion des bedingungslosen Grundeinkommens darstellte. Nur wenn das Einkommen getrennt von der Arbeit funktioniert, kann sich die Qualität von Arbeit verändern, da diese dann auf Freiwilligkeit basiert. Und diese Freiwilligkeit kann nur gewährleistet werden, wenn für das Einkommen gesorgt ist – und zwar bedingungslos. Eine zentrale Frage stand immer wieder im Raum: was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre? In den Diskussionen stellte sich heraus, dass viele Teilnehmer das gleiche tun würden wie bisher, jedoch in geringeren Umfang oder an einem anderen Ort.

World-Café
Diskutieren im "World-Café"

Den Impulsvorträgen folgte ein „World Café“: Dabei wurden in aufeinander folgenden Gesprächsrunden unterschiedliche Fragestellungen zu den beiden Ansätzen diskutiert. Auch Herr Galler und Herr Häni mischten sich unter die Gäste und konnten so auf skeptische und begeisterte Fragen eingehen. Sichtbares Ergebnis der lebhaften Debatten sind die Tischtapeten, auf denen zentrale Ideen und Eindrücke notiert wurden.

Ausklang fand der Tag in einer Podiumsdiskussion, die neben den beiden Innovatoren von Prof. Klaus Sailer, Leiter des SCE und Professor an der Hochschule München sowie von Prof. Susanne Elsen, Dekanin der Fakultät für Sozialwissenschaften, geführt wurde.

Podiumsdiskussion
Podiumsdiskussion

Dabei wurde nochmals deutlich, dass Konzepte, bei denen sowohl soziale als auch ökonomische Gesichtspunkte berücksichtigt werden, immer mehr Bedeutung in der Gesellschaft gewinnen. Aber auch, dass neue Ansätze nur durch aktives Handeln der Akteure vorangebracht werden können.

Regelmäßig veranstaltet das Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) Begegnungen mit spannenden Unternehmern und innovativen Ideen: Neben technischen Innovationen müssen auch soziale Problemlösungen Anwender finden, um die jetzige Gesellschaft nachhaltiger zu entwickeln.

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Anke Frick
Social Entrepreneurship
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